Patrik Müller

Patrik Müller ist Chefredaktor der Zeitung «Sonntag».

DIE LEIDEN DER ANGESTELLTEN

An die UBS als Idealmodell haben die Sozialdemokraten wohl nicht gedacht, als sie diese Woche ihr neues Parteiprogramm vorstellten. Die zentrale Forderung ist die Einführung einer «Wirtschaftsdemokratie»: Die Angestellten, so die SP, sollen in den Unternehmen mehr Mitsprache erhalten.

Ausgerechnet bei der UBS werden die Mitarbeiter am Mittwoch aber eine entscheidende Rolle spielen. 50 bis 60 Prozent der Belegschaft sind am Unternehmen beteiligt – an der Generalversammlung werden sie 7 bis 8 Prozent aller Stimmen ausmachen. Damit dürften sie die zweitgrösste Aktionärsgruppe stellen.

Die UBS-Mitarbeiter mussten in den vergangenen zwei Jahren unten durch – obwohl 99 Prozent von ihnen ihren Job seriös erfüllten wie eh und je. Spott, Häme und Hass ergossen sich über sie: Nicht selten auch über einfache Kundenberater, die nicht mehr verdienen als ein Primarlehrer. Heute ernten viele Angestellte nur noch Mitleid. Und das ist nicht besser: «Mitleid kann fast so wehtun wie Prügel», sagte Elli Planta, die Präsidentin der UBS-Arbeitnehmervertretung, diese Woche in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Die UBS-Mitarbeiter müssen ausbaden, was ihnen ein paar wenige Männer mit einer grössenwahnsinnigen Strategie, grenzenloser Gier und – zum Teil – mit krimineller Energie in den USA eingebrockt haben. Das ist bitter.

Es geht nicht um Rache, wenn nun offenbar jeder zweite Mitarbeiter, der UBS-Aktien hält, an der Generalversammlung Marcel Ospel die Entlastung verweigern und damit den Weg für Klagen freimachen will. Es geht diesen Aktionären darum, gegen innen und aussen zu zeigen: Die «neue UBS» hat mit der UBS von Marcel Ospel nichts mehr zu tun. Und: Man muss die Vergangenheit bewältigen statt verdrängen, um Vertrauen zu gewinnen für die Zukunft.

Die Abstimmung über die Décharge dürfte sehr knapp ausgehen. Gut möglich, dass – ganz wie im sozialdemokratischen Wunschtraum – die Mitarbeiter den Ausschlag gegen Ospels Entlastung geben. Das wäre dann allerdings vor allem ein Beweis für die Selbstheilungskräfte des Kapitalismus.

Samstag, 10. April 2010 22:10
2 Kommentare
Jules Wohlmann, Oberengstringen
12.04.10 21:31

Ein Lob all den treuen UBS-Mitarbeitern, die dem Druck der letzten Jahre stand halten und weiter versuchen, das Beste zu geben.
Beschämend die wenigen hundert bevorzugten Kaderleute, die den Ernst der Stunde immer noch nicht begriffen haben und sich kein wenig einschränken wollen.
Ein Denkzettel den Verantwortlichen und keine Décharge!
Die sollen eine Strafverfolgung weiter fürchten müssen.

cristiano safado, bern
11.04.10 10:53

Schuld ist nicht nur Ospel und Konsorten, sondern auch der sehr spezielle, nicht gerade arbeitnehmerfreundliche Stil von Grübel. Hört Euch in Freundeskreisen und bei Verwandten die bei der UBS arbeiten mal um.

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