Mit dem sicheren Sieg in Luxemburg hat die Schweizer Fussball-Nati die Schmach aus dem Hinspiel getilgt. Nun steht das Tor zur WM in Südafrika weit offen: Ein Punkt am Mittwoch gegen Israel genügt, und das WM-Märchen 2010 wird wahr.
Die Erfolgsserie kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Noch vor einem Jahr sah es zappenduster aus: Die Europameisterschaft im eigenen Land war verkorkst, der Start in die WM-Qualifikation katastrophal. Doch dann kam die Wende – die Nati zeigte Moral und fand aus ihrer Krise heraus.
Dieser Erfolg hat einen Namen: Ottmar Hitzfeld. Ihm gelang es, aus den Ego-Kickern der EM 2008 ein Team zu formen.
Hitzfeld fand den perfekten Umgang mit den Spielern, er zeigt Führungsstärke und verströmt Vertrauen, deshalb wird er auch von schwierigen Persönlichkeiten wie Hakan Yakin respektiert. Was für ein Unterschied zu Vorgänger Köbi Kuhn! Der konnte bei schwierigen Entscheidungen den Spielern nicht mal in die Augen schauen.
In den zwölf Monaten, in denen es mit der Nati bergauf ging, gings mit der Schweiz politisch und wirtschaftlich bergab. Einst befreundete Länder setzen uns wegen der Steuerflucht unter Druck, Libyen hält Schweizer Geiseln, und es droht wegen der Anti-Minarett-Initiative Ärger mit muslimischen Ländern. Die Arbeitslosigkeit hat sich verdoppelt, die Krankenkassenprämien steigen. Die angesehene «International Herald Tribune» schrieb kürzlich: «Die Tage des Schweizer Paradieses sind gezählt.»
Wie würde es da gut tun, an der WM dabei zu sein, diesem wunderbaren Fest der Lebensfreude! Es wäre mehr als nur Opium fürs Volk: Die Schweiz hätte die Chance, sich der Welt von ihrer temperamentvollen, selbstbewussten, sympathisch-patriotischen Seite zu zeigen. Also, liebe Nati: Lasst nichts mehr anbrennen und macht am Mittwoch den WM-Traum wahr! |