29.08.2010
Armee: Luftwaffen-Chef Markus Gygax fordert Raketenabwehr für die Schweiz ++ Taliban als Gefahr
Bern. Nach der Verschiebung des Kampfjets-Kaufs plant das VBS nun das nächste Vorhaben: Die Armee braucht laut Luftwaffen-Kommandant Markus Gygax ein Raketenabwehr-System. Dies sagt er der Zeitung "Sonntag". Gemäss Korpskommandant Gygax wird die Schweiz «schon im laufenden Jahrzehnt in den Einflussbereich von Lenkwaffen kommen, die ausserhalb Europas in Richtung Europa katapultiert werden können». Daraus zieht der Luftwaffenkommandant eine klare Folgerung: «Wir benötigen eine Lenkwaffenabwehr.» Gygax spricht im "Sonntag" von Lenkwaffen mit einer Reichweite «um die 3000 Kilometer». Diese würden die Schweiz «erpressbar» machen. «Deshalb müssen wir gemeinsam mit Europa ein adäquates Lenkwaffenabwehrsystem aufbauen. Die Schweiz kann sich hier nicht raushalten», so Gygax. Im Alleingang wäre eine wirksame Abwehr für die Schweiz wohl schwierig. Gygax schlägt deshalb vor, unser Land könne sich «dem europäischen Verbund anhängen, damit man eine echte Lenkwaffenabwehr realisieren kann. Daran denken und planen wir.» Gygax denkt dabei zum Beispiel an das Lenkwaffenabwehr-system Patriot PAK3, das Deutschland bereits heute besitzt. Die Aufrüstung sei dringend. Denn: «Wir haben keine Ahnung, was nur schon in einem Jahr geschieht. Wir hatten auch 1988 keine Ahnung, dass 1989 die Mauer fällt. Ereignisse, die die Welt verändern, können ganz kurzfristig auftreten. Niemand weiss, was in fünf oder zehn Jahren ist.» Die Gefahr ortet Gygax weniger bei anderen Staaten als bei terroristischen oder mafiaähnlichen Organisationen – hinter denen allerdings «Götti» stünden, die sie mit modernen Waffen belieferten. Konkret nennt er die Taliban in Afghanistan. «Nehmen Sie die Taliban. Das ist auch eine Art Organisation. Diese Organisationen wollen auch wirtschaftlichen Nutzen aus ihren Operationen ziehen. Mit entsprechender Bewaffnung kann man eine Bedrohung aufbauen und andere erpressen. Damit müssen wir uns auseinandersetzen.»


Pharmakonzern Roche vor massivem Stellenabbau
Basel. Roche arbeitet zurzeit an einem massiven Sparprogramm. Gemäss Recherchen der Zeitung «Sonntag» droht der Abbau von Tausenden Stellen weltweit; die Schweiz soll davon nicht verschont werden. Ein Insider, der über beste Kontakte in die Konzernzentrale verfügt, sagte der Zeitung: «In dieser Woche wird ein grösserer Abbau beschlossen. An der Konzernleitungssitzung von Anfang Woche ist das ein Thema.» Vom Abbau betroffen seien alle Bereiche der Pharma-Division, also nicht nur der Verkauf, sondern auch die Forscher und Entwickler, die Produktions- und die Verwaltungsmitarbeiter. «Das hat Konzernchef Severin Schwan vor ein paar Wochen an einer grossen Managementkonferenz vor 200 Topkadern klargemacht», sagt der Informant.
Die Medienstelle bestreitet, dass das Management bereits diese Woche über den Abbau entscheiden werde. Bestätigt wird aber, dass kürzlich eine Managementkonferenz stattgefunden hat und dabei das Sparprogramm zur Sprache kam. Roche-Sprecher Alexander Klauser: «Es gibt Potenzial für Produktivitätsverbesserungen über die ganze Organisation betrachtet. Daran arbeiten wir und wir werden sie entsprechend umsetzen.» Konzernchef Severin Schwan sagte kürzlich: «Wenn die Preise sinken, schlägt dies auf den Gewinn durch. Es gibt nur einen Weg, dies zu kompensieren: bei den Kosten. So einfach ist das.»


Chinesen überrennen die Schweiz: Touristenzahl nimmt um 35 Prozent zu!
Zürich. In den Sommermonaten Juni/Juli/August hat ein eigentlicher Boom asiatischer Gäste in den Schweizer Hotels die Rückgänge bei den Touristen aus Europa mehr als wettgemacht. "Wir werden dieses Jahr voraussichtlich erstmals 500 000 Übernachtungen von Chinesen zählen", sagt Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, in der Zeitung "Sonntag". "Das sind 35 Prozent mehr als letztes Jahr!" Für die Zukunft setzt der oberste Schweizer Touristiker viel Hoffnung auf China: "Im kommenden Jahr werden in der Schweiz erstmals mehr Chinesen als Japaner zu Gast sein. "Die Chinesen sind unsere neuen Japaner. China wird unser wichtigster Markt in Asien", sagt Schmid. Er rechnet bis in fünf bis acht Jahren mit einer Million Übernachtungen von Chinesen pro Jahr. Sorgen bereitet Schmid hingegen der schwache Euro. Im Herbst und Winter werde sich dies negativ auswirken: "Wahrscheinlich müssen wir dann bei Gästen aus dem Euroraum mit einem Rückgang von drei bis fünf Prozent rechnen. Vor allem im alpinen Raum", sagt Schmid dem "Sonntag".


Todesstrafe: Gemäss Urheber Marcel Graf droht mit Aktivierung der Initiative
BADEN. Die zurückgezogene Initiative zur Einführung der Todesstrafe ist noch nicht definitiv vom Tisch. Das kündigte Initiant Marcel Graf im Interview mit der Zeitung «Sonntag» an. Graf fordert von Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf, dass die Straferfahren bei Kapitalverbrechen beschleunigt werden. «Sie müssen nach einem Jahr abgeschlossen werden, wenn der Täter bekannt ist», verlangt Graf. Ohne entsprechende Zusicherung von Widmer-Schlumpf werde die Volksinitiative wieder aktiviert: «Wir werden die Initiative an jene Kreise weitergeben, sie sich bei uns gemeldet haben und sie übernehmen wollen», kündigt Graf an, «wir haben eine Lobby im Rücken». Bei den Interessenten handle es sich um «kugelsichere» Personen, die nicht davor zurückschrecken würden, unter Beschuss zu geraten. Auch eine Schweizer Facebook-Gruppe habe ihre Interesse angemeldet, um die Initiative weiter zu führen. Zudem lägen Anfragen aus der Romandie und dem Tessin vor. Wie Graf erklärt, lancierte er die Initiative, weil das sich das Strafverfahren im Mordfall an seiner Schwägerin seit eineinhalb Jahren hinziehe. Zum ersten Mal sprach er in der Zeitung «Sonntag» offen über die massiven Drohungen, die zum Rückzug der Initiative führten. Er habe E-Mails bekommen, in denen seine Familie bedroht worden sei. Darin habe es geheissen: «Ziehen Sie die Initiative zurück - wir wissen, wo sie wohnen!»


Justizministerin Widmer-Schlumpf zur Todesstrafe-Initiative
BADEN: Erstmals nimmt Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf Stellung zur inzwischen zurückgezogenen Volksinitiative «Todesstrafe bei Mord mit sexuellem Missbrauch». Sie empfinde das Volksbegehren als «Ausdruck der Sorge und Trauer, aber auch von Ohnmachtsgefühlen von Menschen, die durch eine schreckliche Straftat betroffen sind», sagte Widmer-Schlumpf in der Zeitung «Sonntag». Diese Sorgen gelte es ernst zu nehmen. Doch das Ansinnen der Initianten sei «ohne Wenn und Aber entschieden abzulehnen». Die keineswegs unfehlbare Justiz müsse vor dem Risiko, Unschuldige zu töten, bewahrt werden. «Zudem trägt diese archaische Form der Strafe nicht zur Senkung der Kriminalität bei», so die Justizministeirn weiter. Nach der Lancierung der Todesstrafe-Initiative ist die Diskussion um höhere Hürden für Volksinitiativen erneut aufgeflammt. «Für den Bundesrat stellt sich die Frage, ob Volksinitiativen nicht strengeren Gültigkeitsvoraussetzungen unterworfen werden sollten», sagt Justizministerin Widmer-Schlumpf. Der Bundesrat habe deshalb am 9. März das Justiz- und das Aussendepartement sowie die Bundeskanzlei beauftragt, einen Bericht über die Möglichkeiten zu verfassen, wie Widersprüche zwischen Initiativrecht und Völkerrecht vermieden werden könnten.


Familiennachzug: FDP-Politiker fordert DNA-Tests für Ausländer
Baden. «Man muss sich ernsthaft überlegen, für den Familiennachzug aus bestimmten Staaten die DNA-Tests massiv auszuweiten.» Diese Forderung stellt der FDP-Nationalrat Philipp Müller in der Zeitung "Sonntag" auf. Damit will er die massive Zuwanderung aus den Drittstaaten - den Nicht-EU-Ländern - bremsen. «Es dürfen wirklich nur Familienangehörige kommen, die das auch wirklich sind», betont Müller. «Und nicht solche, die es behaupten und zweifelhafte Papiere vorlegen. Heute würden jährlich nur 30 bis 40 Tests in offensichtlich zweifelhaften Fällen gemacht. Philipp Müller: «Dabei geht es beim Familiennachzug aus Drittstaaten um Tausende von Fällen pro Jahr. Wir müssen etwas tun, sonst läuft uns die Situation aus dem Ruder.» Für Müller sollen jene Länder betroffen sein, die auf einer Liste der sogenannt problematischen Staaten figurieren, weil die staatlichen Strukturen schlecht funktionieren. Sie umfasst 34 Staaten, primär aus Afrika. Darin sind aber auch Brasilien, der Irak, Kolumbien, Pakistan, Philippinen und Vietnam enthalten. Nicht aber die Balkan-Staaten oder die Türkei. Rechtlich hält Müller das Vorgehen für gerechtfertigt: "Es gibt dazu gesetzliche Grundlagen. So das Bundesgesetz von 2007 über genetische Untersuchungen beim Menschen. Und Artikel 102 im Ausländergesetz sagt, dass biometrische Daten im Bereich Familiennachzug erhoben werden können."


Johann Schneider-Ammann: "Ich würde alle Aktien abgeben"
LANGENTHAL. Sollte der Unternehmer und FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann zum Bundesrat gewählt werden, dann wird er seine Aktien verkaufen, wie er der Zeitung "Sonntag" versichert: "Ich würde selbstverständlich alle Aktien abgeben. Diese gingen auf meine Nachkommen über." Und er fügt an: "Ein persönlicher Interessekonflikt wäre ausgeschlossen." In seinem Brief an die Mitarbeiter hatte er nur geschrieben "Die Aktionärsstruktur bleibt unverändert. Ammann und Avesco bleiben vollständig unter Kontrolle der Familien Schneider-Ammann und Ammann." Das hatte Fragen aufgeworfen, ob er selber gedenke sein Aktienpaket zu behalten. Auf die Frage des "Sonntags", wie gross ist eigentlich sein Aktienpaket sei, gab Schneider-Ammann keine Antwort.


Französisch-Test bei Bundesratskandidaten: Karin Keller-Sutter top, Ueli Giezendanner flop
Genf. Im Auftrag der Zeitung "Sonntag" hat eine Jury von Westschweizer Journalisten die Französischkenntnisse von Bundesratskandidaten und amtierenden Deutschweizer Bundesräten getestet. Unangefochtene Klassenbeste ist die St. Galler Regierungsrätin und studierte Dolmetscherin Karin Keller-Sutter. Sie überzeugt auch schriftlich, wie ein Journalist betont. «Sie schreibt besser französisch als gewisse Französischsprechende.» Mit einer Ausnahme hat Keller-Sutter deshalb von der Jury nur Sechser erhalten. Silber gibts für den Tessiner Ignazio Cassis, der fliessend von einer Sprache zur andern wechseln könne – und sich dabei immer wohl fühle. Die Bronzemedaille geht an die SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga. Die Jury meint: «Gutes Niveau, fast kein Akzent.» Zuunterst auf der Skala rangieren zwei mögliche Kampfkandidaten der SVP: Fraktionschef Caspar Baader und Ulrich Giezendanner. Baader gebe sich in jüngster Zeit Mühe, auch französisch zu sprechen, während er sich früher geweigert habe. Giezendanner hingegen will noch immer lieber Deutsch reden. Hier die Noten im Detail - von 1 (miserabel) bis 6 (sehr gut):
Karin Keller-Sutter 5.92
Ignazio Cassis 5.50
Simonetta Sommaruga 5.38
Doris Leuthard 5.13
Peter Malama 5.08
Jacqueline Fehr 4.96
Eva Herzog 4.81
Hildegard Fässler 4.65
Johann Schneider-Ammann 4
Ruedi Noser 3.67
Eveline Widmer-Schlumpf 3.08
Ueli Maurer 2.96
Caspar Baader 2.79
Ulrich Giezendanner 2.00


Alles nur kopiert? Migros verärgert amerikanischen Glacégiganten
ZÜRICH Die «Kaffee Hag»-Kopie «Kaffe Zaun» lässt grüssen: Ab September verkauft die Migros neue Glacés unter dem Namen «Jane & Mary’s», wie die Zeitung "Sonntag" berichtet. Klingt bekannt? Kein Wunder. Vorbild ist die US-Erfolgsmarke «Ben & Jerry’s», die es unter anderem im Coop, Globus und Manor gibt. Der Lebensmittelmulti Unilever, Besitzer von Ben & Jerry’s, ist ob der Kopie nicht erfreut: «Grundsätzlich begrüssen wir Konkurrenz. Wenn eine Anlehnung zu nahe an unseren Marken ist, werden wir aktiv", sagt Unilever-Sprecherin Cynthia Waldorf. Man habe mit der Migros den Kontakt gesucht und werde versuchen, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Dort wiegelt man ab: «Unsere Verantwortlichen haben Jane & Mary’s rechtlich abgeklärt und als okay befunden", sagt Migros-Sprecherin Olivia Luginbühl im "Sonntag". "Ben & Jerry's" wurde 1978 in Vermont von den beiden Hippies Ben Cohen und Jerry Greenfield gegründet. Ihre aussergewöhnlichen Geschmacksrichtungen waren ein Grosserfolg und sie wurden bekannt dafür, einen Teil ihres Profits für Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. 2000 übernahm Unilever die hochpreisige Eiscrème-Firma für 326 Millionen Franken.


Ulrich Kohli, der Ex-Chefökonom Schweizer Nationalbank, kritisiert die Geldpolitik der SNB
Zürich/Genf. Ulrich Kohli ist Ende 2009 als Chefökonom der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zurückgetreten. Nach der Publikation der Wertverluste von 11,3 Milliarden Franken, welche die SNB per Mitte Jahr erlitten hat, äussert sich Kohli jetzt in der Zeitung "Sonntag" erstmals zur expansiven Geldpolitik seiner ehemaligen Arbeitgeberin: "Mit ihren massiven Interventionen bis Anfang Juni hat die SNB vor allem die Spekulation alimentiert. Es hat ja nichts genützt", kritisiert der Ökonomieprofessor. Er hält die Situation für "bedenklich": "Auch eine Notenbank darf kein Geld zum Fenster hinauswerfen. Wenn schon, wäre der Zeitpunkt für Interventionen jetzt gekommen. Im Mai ging es der Wirtschaft nicht schlechter. Doch jetzt kann die Nationalbank nicht mehr.» Anders als das SNB-Direktorium sieht er eine Inflationsgefahr, aber keine Deflationsgefahr. «Das Risiko einer Deflationsspirale gab es für mich zu keinem Zeitpunkt», hält Kohli dem SNB-Direktorium entgegen. Mit der Gefahr einer schädlichen Lohn-Preis-Abwärtsspirale rechtfertigt dieses seine massiven Euro-Zukäufe. «Natürlich kann die Inflation über kurze Zeit leicht negativ sein», meint der ehemalige Chefökonom Kohli. Das käme immer wieder vor und sei kein Problem. Er bezweifelt aber, dass es der SNB gelingt, mit ihren «Nationalbank-Bills» Liquidität die Geldmenge zu steuern.


Bundesrat und UBS: Erstes Treffen fand bereits statt
BERN. Der Fall UBS geht in Bundesbern in die nächste Runde. «Es hat im Juli ein Treffen stattgefunden zwischen dem Bundesrat und der UBS», sagt Christophe Hans, Sprecher von Bundespräsidentin Doris Leuthard, zur Zeitung "Sonntag". Mehr will er nicht verraten – weder wer am Treffen teilnahm, noch ob schon konkrete Vorschläge vorliegen, wie die Vorgänge in der Bank aufgearbeitet werden sollen, die zum Fast-Kollaps der UBS und zur Herausgabe von Kundendaten an die USA führten. Das Treffen ist eine erste konkrete Folge des Berichts der Geschäftsprüfungskommission (GPK). Sie forderte darin den Bundesrat und die UBS auf, eine bankinterne Untersuchung einzuleiten und Transparenz zu schaffen, wieso sich die Bank sich gegen eine Zivilklage gegen ihre alte Führungsriege sträubt. Daraufhin signalisierte die UBS Gesprächsbereitschaft, Präsident Kaspar Villiger und Konzernchef Oswald Grübel schrieben der GPK und Bundespräsidentin Leuthard gar einen Brief. Die Kommission lehnte ein Treffen ab, der Bundesrat willigte ein. Der Waadtländer SVP-Nationalrat Pierre-François Veillon, der die GPK zur UBS leitet, weiss nichts von dem sommerlichen Treffen zwischen Bundesrat und UBS. Er erwarte erste Antworten vom Bundesrats im Herbst. Und er stellt gleich klar: «Wir lassen nicht locker.» Mit dem Bericht sei erst die Hälfte der Arbeit der GPK erledigt, sagt Veillon. «Die zweite Hälfte besteht darin, sicher zu gehen, dass unsere Forderungen auch umgesetzt werden.»


Neue Freitag-Taschen: Weg vom WG-Groove
ZÜRICH Die beiden Freitag Brüder Markus und Daniel gehen mit der neuen Geschäftsführerin Monika Walser einen Schritt weiter: Im September wird die neue Kollektion names «Freitag Reference» mit 14 Modellen lanciert, wie die Zeitung "Sonntag" schreibt. «Wir versuchen, mit unseren Kunden, die vor 17 Jahren zum ersten Mal eine Freitag-Tasche gekauft haben, zu wachsen.» Die neuen Taschen sind zum ersten Mal unifarben und wirken einiges eleganter und femininer. Und das Freitag-Logo wirkt nicht mehr so dominant. Die Materialien bleiben hingegen dieselben. Das neue Zielpublikum ist laut Walser etwa 30 bis 45 Jahre alt. Was aber nicht heisse, dass man die junge Kundschaft aufgibt. «Die neuen Taschen möchten wir in exklusiven Top-Boutiquen im In- und Ausland verkaufen», sagt Walser im "Sonntag". In der Schweiz gibt es die neue Kollektion im eigenen Flagship-Store in Zürich, auch im Kitchener Plus in Bern sowie im neuen Zürcher Vestibule, das auch eine limitierte Edition anbietet. «Wir sind auf gutem Weg, dieses Jahr einen Rekordumsatz zu erzielen", sagt Walser. Zudem möchte sie mit Freitag weiter expandieren: «Wir möchten dieses Jahr nach Zürich, Davos, Berlin, Hamburg und Köln einen sechsten Flagship-Store in Wien eröffnen.» In Zukunft kommen auch andere europäische Mode-Metropolen infrage. 320 Wiederverkäufer zählt die Firma zurzeit insgesamt, von San Francisco über Auckland bis hin zu Tokyo.


Bundesanwaltschaft muss über Verfahren gegen Justizministerin Widmer-Schlumpf entscheiden
BERN. Eine Anzeige des SVP-Grossrats Andreas A. Glarner aus Oberwil-Lieli ist vom Bezirksamt Laufenburg an die Bundesanwaltschaft (BA) weitergeleitet worden. «Die in Frage stehende Anzeige ist eingegangen und wird geprüft». bestätigt BA-Sprecherin Jeannette Balmer gegenüber dem «Sonntag». Hintergrund ist die von einer Sans-Papiers-Demo unterbrochene 1.-August-Feier von Eiken, an der Eveline Widmer-Schlumpf aufgetreten war. Mehr als 100 Personen störten ihre Rede mit Parolen. Die Polizei verzichtete auf Personenkontrollen, dafür mussten die Demonstranten ihr Megafon abgeben. Widmer-Schlumpf erklärte sich zu einem Treffen mit einer Fünfer-Delegation bereit. Anlass genug für Grossrat Glarner, gegen die Justizministerin eine Strafanzeige einzureichen – unter anderem wegen Begünstigung und Amtsanmassung. Widmer-Schlumpf habe «illegal anwesende Personen einfach gewähren lassen», so die Argumentation von Glarner. Die BA muss sich laut Artikel 336 des Strafgesetzbuchs um Verfahren kümmern, die sich gegen Magistratspersonen des Bundes richten. Zwischen Bundesanwalt Erwin Beyeler und Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf herrscht seit Beginn an ein miserables Einvernehmen. Es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen, weil der Bundesanwalt und die Justizministerin andere Auffassungen von Führung haben.


Butterberg: Araber sollen beim Abbau der 10000 Tonnen helfen
LUZERN Mittlerweile ist der Butterberg 9'9000 Tonnen schwer und wächst bei Verarbeitern wie Emmi und Cremo stetig weiter, wie die Zeitung "Sonntag" berichtet. Damit steigt auch der Druck auf den Milchpreis - zum Leidwesen der Bauern. Die Branchenorganisation Milch (BOM) hätte eigentlich eine Butterberg-Lösung gefunden: «Ägypten und die arabischen Emirate würden uns den Butterberg sofort abkaufen», sagt BOM-Präsident Markus Zemp im "Sonntag". Tatsächlich: 2009 begann die Branche erstmals Butter im grossen Mass in den Nahen und Mittleren Osten zu exportieren. Alleine nach Ägypten wurden 1425 Tonnen Butter für 3,4 Millionen Franken verkauft, 1295 Tonnen in die Türkei, 250 nach Saudi-Arabien und 225 nach Syrien. Der Zeitpunkt für den Export ist laut Zemp günstig: «Heute beträgt der Butterpreis auf dem Weltmarkt pro Kilo über vier Franken. Noch vor einem halben Jahr lag er bei 2.50 Franken.» Alles in Butter also? Nein. Denn Voraussetzung für den Abbau ist der Solidaritätsfonds, den die BOM Anfang Mai gründete. Dieser ist nötig, weil der Inlandpreis bei rund 9 Franken pro Kilo liegt. Doch dort klemmt es. In drei Tranchen müssten die rund 30 Produzentenorganisationen Geld in den Fonds einbezahlen – insgesamt 15 Millionen Franken. Damit könnten 3000 Tonnen Butter günstig ins Ausland verkauft werden, und die Milchbauern erhielten eine Entschädigung für die Preisdifferenz. Das Problem: «Rund ein Viertel der zahlungspflichtigen BOM-Mitglieder hat noch nicht bezahlt», sagt BOM-Präsident Markus Zemp. Er droht den Säumigen: "Ansonsten müssen wir ein Exempel statuieren. Dies kann von einer Betreibung bis hin zum Ausschluss gehen." Die Branchenorganisation Milch hegt derweil Pläne, wie sie das Problem der überzähligen Kühe angehen soll: Man habe schon diskutiert, so Zemp, einen neuen Fonds für den günstigen Export von Kühen ins Ausland zu installieren. «Jeder Bauer würde 500 Franken erhalten, damit er zum Beispiel eine Kuh für 2500 Franken nach Italien verkaufen könnte.» In der Schweiz kostet eine Kuh rund 3000 Franken. «So könnten wir mindestens fünf- bis zehntausend Kühe exportieren.»


Rücktritt bei den Young Boys: Verwaltungsrat Bösch verlässt YB-Chefetage
BERN. YB-Verwaltungsratsmitglied Fritz Bösch tritt per Ende Jahr ab. Laut Recherchen der Zeitung "Sonntag" wird er kommende Woche seinen Rücktritt aus der Sport & Event Holding AG bekannt geben, welche den BSC Young Boys sowie das Stade de Suisse besitzt. Damit reagiert Bösch auf die Absetzung von CEO Stefan Niedermaier. Dieser Entscheid war ohne Böschs Wissen geplant und vollzogen worden. Im Verwaltungsrat sitzen neben Bösch die Brüder Andy und Hans-Ueli Rihs sowie Benno Oertig. Dem Beirat, der sich als Bindeglied zwischen YB und der Basis versteht, wird Bösch erhalten bleiben.


Schwingerkönig König Kilian steht auf ältere Frauen
Baden. Mit Frauen habe er noch nicht so viele Erfahrungen gemacht, verriet Schwingerkönig Kilian Wenger (20) im Interview mit der Zeitung "Sonntag". Seine längste Beziehung dauerte aber immerhin 18 Monate. Kilian: «Vor zirka einem halben Jahr haben Sabrina und ich uns getrennt – es hat einfach nicht mehr gepasst.» Trotz der zerbrochenen Liebe träumt Kilian von einer Familie mit Kindern. Und er hat die Hoffnung, seine Traumfrau schon sehr bald zu finden. «Ich stehe eher auf blonde Frauen. Und sie sollte vor allem nicht jünger sein als ich – es wäre mir lieber, wenn sie etwas älter wäre. Aber nur so ein paar Jahre!» Ältere Frauen seien einfach reifer und erfahrener. Auch allzu klein sollte sie nicht sein, sagt der 1,90 Meter grosse Kilian. «Doch wenn es funkt, dann kann das die eigenen Vorstellungen schnell über den Haufen werfen. Wichtig ist, dass sie ein grosses Herz hat.» Der 103 Kilo schwere Kämpfer bietet breite Schultern zum Anlehnen und viel Zuneigung: «Ich kann auch sehr zärtlich und romantisch sein», so Wenger. «Zudem bin ich treu und ehrlich.»


Schauspieler Manuel Löwensberg nervt sich nicht mehr, wenn er auf Vater Moritz Leuenberger angesprochen wird
BADEN. "Zu Beginn habe ich nur auf mich geschaut - und gesehen, was ich alles hätte anders machen können. Jetzt glaube ich, der Film ist recht gut. Ich habe mich mit ihm versöhnt." Das sagt Schauspieler Manuel Löwensberg im Interview mit der Zeitung "Sonntag" auf die Frage, wie ihm sein neuer Film "Hugo Koblet" gefalle. Er nehme sich nicht mehr so ernst wie einst: "Früher hätte ich aus Prinzip nie für die "Glückspost" in die Kamera gelacht, jetzt habe ich es gemacht. Die Publizität verhilft mir vielleicht zu mehr Rollen." Auch sei er nicht mehr verärgert, wenn die Medien mit ihm vor allem über seinen Vater reden möchten, über Bundesrat Moritz Leuenberger. "Nein, ich nerve mich nicht mehr. Zu Beginn dachte ich ja, die Medien wollten mich interviewen, weil ich ein toller Schauspieler bin. Aber dann habe ich schnell gemerkt: Viele meiner Kollegen, die gleichviel arbeiten wie ich, werden nie interviewt. Medial attraktiv war die Konstellation: Bundesratssohn und Schauspieler. Das hat mich skeptisch gemacht. Ich wollte kämpfen, dass ich für meine Arbeit geschätzt werde. Jetzt sehe ich es nicht mehr so eng." Die Kritik an seinem Vater habe ihn persönlich getroffen. "Er hat sieben Tage die Woche für das Amt gearbeitet, er hat seine ganze Energie hineingesteckt, hat sich nichts zuschulden kommen lassen - und jetzt sagt man: Sein Glanz sei weg. Ich staune schon, wie er damit umgeht." Ausserdem sagt Löwensberg, er habe sein Geld immer selber verdient. Vor der Schauspielschule habe er noch als Velokurier gearbeitet, aber schon während der Schule beim Fernsehen einen Vertrag gehabt. Er brauche sehr wenig zum Leben, habe in Zürich und Wien je ein billiges Zimmer. "Ein Leben lang möchte ich aber nicht so leben. Mich würde es reizen, jetzt für ein paar Jahre nach Deutschland an ein gutes Theater zu gehen. Ich habe in der Zwischenzeit auch das Gefühl, dass ich das könnte."


Birkenfeld vergleicht Kurer mit japanischem General und UBS mit Titanic
ZÜRICH Der UBS-Whistleblower Bradley Birkenfeld bekräftigt seine Vorwürfe gegen die ehemalige UBS-Spitze rund um Marcel Rohner, Peter Kurer und Marcel Ospel, wie die Zeitung "Sonntag" berichtet. Im Interview mit "Le Temps" holt Birkenfeld zum Rundumschlag gegen aus, ohne Kurer, Ospel und Rohner ausdrücklich beim Namen zu nennen. Er wird gefragt, ob die Direktion der Schweizer Grossbank von den illegalen Machenschaften ihrer Mitarbeiter in den USA wusste. Birkenfelds Antwort: "Natürlich wussten sie es." Martin Liechti, der ehemalige Chef des amerikanischen UBS-Vermögensverwaltungsgeschäfts und einer der Hauptakteure rund um die Steueraffäre der UBS in Amerika, habe jeden Monat seinen Vorgesetzten rapportiert. "Er musste erklären, wo all dieses Geld her kam. Alle diese Präsentationen, alle Dokumente, die ich ans Licht gebracht habe: An wen waren sie gerichtet? Alle diese Reisen, die verschlüsselten Computer: Die Direktion wusste all das, sie hat es sogar autorisiert." Dies abzustreiten wäre wie, wenn man sagen würde, die japanischen Generäle wussten damals nichts von der geplanten Attacke auf Pearl Harbor." Auch in die aktuelle Führung hat der Amerikaner wenig Vertrauen: "Die Stühle auf der Titanic auszuwechseln ändert nichts an ihrem Schicksal. Der Groll gegen diese Bank ist zu gross. Ich denke, dass sie schlussendlich mit der Credit Suisse fusionieren wird." TSR zeigt das Interview am 9. September in der Sendung "Temps Présent" um 20.05 Uhr.


Migipedia (Wikipedia von Migros): Kritik an neuem Milchshake
ZÜRICH Nicht alle Kunden finden Gefallen am neuen Milchshake Shakeria, den die Migros seit kurzem verkauft: «Migipedia-Nutzer kritisierten den Verschluss und die zu wenig umweltfreundliche Verpackung», sagt Ben Proske, Leiter digitales Marketing bei der Migros im "Sonntag". «Daran arbeiten wir nun.» Auf der Online-Plattform Migipedia der Migros können Kunden seit rund zwei Monaten Migros-Produkte bewerten, kritisieren und Verbesserungsvorschläge formulieren. Mehr als 50000 Leute haben Migipedia bisher angeklickt, 2000 Fragen hat die Migros von Usern beantwortet. Ein weiteres Beispiel: «Viele haben sich den Migros-Eistee in Pet-Flaschen statt nur in Kartons gewünscht», sagt Proske. Doch reagiert die Migros wirklich? Zur Eistee-Pet-Flasche sagt Ben Proske: «Dieser Wunsch soll nach Möglichkeit erfüllt werden.» Und was ist mit der Milchshake-Kritik? Shakeria-Chef Erich Kienle sagt, er habe davon noch nie was gehört: «Das Produkt ist sehr erfolgreich gestartet und bald kommt eine fünfte Geschmacksrichtung ins Migros-Regal. Am Konzept wird nichts geändert.» Nimmt die Migros die Kritik also doch nicht ernst und Migipedia dient nur als Puffer für unzufriedene Kunden? «Nein, sicher nicht», sagt Konzernsprecher Urs-Peter Naef im "Sonntag", «dadurch, dass die Reaktionen auf Migipedia stattfinden, sind sie einer viel breiteren Öffentlichkeit zugänglich als wenn sie ‹nur› an die M-Infoline gerichtet werden. Dadurch steigt der Druck eher.» Man dürfe auch nicht erwarten, dass Änderungen von heute auf morgen passieren. «Meist dauert dies aus produktionstechnischen Gründen ein paar Wochen oder Monate.» Neue Funktionen sind laut Urs-Peter Naef in Planung: «Bald werden wir ein Forum einrichten, in dem sich die User austauschen und zum Beispiel einzelne Filialen bewerten können.»


Andy Hugs mysteriöser Tod: Arzt will Krankheitsakte sehen
Baden. Auch zehn Jahre nach dem tragischen Tod seines Freundes und Patienten, ist der renommierte Basler Arzt Didi Schmidle betrübt: «Ich denke viel an Andy und dabei stimmt mich einiges jeweils sehr traurig. Es ist vor allem bitter, dass ich noch immer keine Gewissheit über Andys genauen Krankheitsverlauf habe – es gibt noch so viele offene Fragen», so der Arzt gegenüber der Zeitung "Sonntag". Unglaublich ist, dass bis heute von Andy Hugs Umfeld niemand genau weiss, was in den letzten Tagen seines Lebens wirklich passierte. Denn weder Andys Vertrauensarzt Didi Schmidle, noch die Witwe Ilona Hug (45) hatten von der Tokioter Klinik (Nippon Medical School) je Einsicht in die Krankenakten erhalten. Schmidle hat lange um die Herausgabe gekämpft, sogar Anwälte waren eingeschaltet. Doch kein einziger Brief wurde beantwortet. Auch Ilona Hug bestätigt, dass sie bis heute nie Einsicht in die Akten hatte. Weil die Hug-Akte in Japan auch zehn Jahre nach seinem Tod unter Verschluss bleibt, kursieren immer wieder wilde Gerüchte, ob sein Tod andere als natürlich Ursachen hatte. Insider wollen wissen, dass er mächtige Feinde hatte, die zu allem imstande seien. Fakt ist: Es war Andy Hugs Wunsch, sich von der japanischen K-1-Organisation zu lösen und eine Filmkarriere zu starten – und dabei ging es um viel Geld wobei K-1 nichts mehr kassiert hätte. Dubios: K-1-Doktor Kazuo Shimizu war zugleich Direktor des Spitals wo Hug starb und der offizielle Arzt der japanischen K-1-Organisation. Und Kazuo Shimizu ist der Mann, der noch heute den Angehörigen den Einblick in die Krankenakte verweigert. Schmidle: «Ich bedauere sehr, dass wir nie ein komplettes Dossier mit allen Röntgenbildern, Test und anderen Informationen erhalten haben – dass ist sehr unüblich und unseriös.» Der Arzt hätte die Akten seines Patienten gerne studiert. Dies vor allem auch, weil er nur knapp zwei Wochen vor Andys Tod in seiner Praxis in Luzern, dessen Blut untersuchte. Doch die Tests, welche vom renommierten Labor Güntert ausgewertet wurden, ergaben keinen negativen Befund. Blutwerte, Röntgenbilder und EKG waren ganz normal. «Zu diesem Zeitpunkt deutete absolut nichts auf eine derart schwere Krankheit hin. Das Ganze gibt mir heute noch zu denken», so Schmidle.


IV-Sparkurs: Aargauer Regierungsrätin nimmt Volk in die Pflicht
AARAU. In einem Interview mit der Zeitung "Sonntag" hat sich die Aargauer Departementsvorsteherin für Gesundheit und Soziales, Susanne Hochuli, zur Kritik am harten Sparkurs der IV geäussert: "Der Souverän muss sich bewusst sein, dass er in jüngster Vergangenheit einschneidende Entscheide bei der Revision der IV gefällt hat – und wohl weitere fällen wird", so Hochuli. Die Schwierigkeit bestehe darin, "dass man – sobald mit dem Schicksal eines einzelnen konkreten Falls konfrontiert wird – den Menschen und sein nachvollziehbares Bedürfnis darin erkennt und entsetzt darüber ist, dass nicht alles bezahlt wird, was helfen könnte." Laut der grünen Regierungsrätin "kollidieren persönlich nachvollziehbare Ansprüche und Erwartungen von Einzelpersonen häufig mit den gesetzlichen." Das liesse sich leider aufgrund der Vorgaben nicht vermeiden. Umso erfreulicher sei es, "dass es Zeichen der Solidarität aus der Bevölkerung gibt, die scheinbar unlösbare Probleme lösbar machen." Hochuli spricht damit den vom "Sonntag" publik gemachten Fall eines 15-jährigen Jugendlichen aus Frick an, dem die IV das Hörgerät nicht mehr ganz bezahlt. Der Differenzbetrag wird jetzt aber von Phonak Schweiz und dem Hörgerätakustiker des Teenagers übernommen. Der Fall hatte bei den Lesern grosses Echo und Kritik an der IV-Stelle Aargau ausgelöst.
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