Geheimprojekt bei der Migros: 4000 Produkten droht der Rauswurf
Zürich. Die Migros führt zurzeit ein Pilotprojekt durch mit dem Ziel, die Anzahl Artikel um zehn Prozent zu senken. Zwischen 30 000 und 40 000 Artikel stehen in einem grossen Migros-Supermarkt in den Regalen. Das sind zu viel, so der Befund. Gemäss Recherchen der Zeitung „Der Sonntag“ lässt die Detailhändlerin zurzeit mithilfe von externen Beratern ihr Sortiment durchleuchten, um die «Renner» und die «Penner» in den Regalen ausfindig zu machen. So werden in der Branche die erfolgreichen und weniger erfolgreichen Produkte salopp genannt. Um ganze 10 Prozent soll das Angebot verkleinert werden. Das bedeutet für die grossen Supermärkte eine Reduktion um 3000 bis 4000 Artikel. Das Projekt ist geheim, auch die wichtigsten Lieferanten wissen nichts davon. Sie wären als Erste betroffen, da der Innovationsdruck im Kampf um den Platz im Regal für sie weiter steigen wird. In 50 grösseren und kleineren Filialen in der Schweiz wird diese Sortimentsreduktion zurzeit getestet und anhand einer Software analysiert, welche auch beim führenden britischen Detailhandelsunternehmen Tesco angewandt wird. «Wir diskutieren schon seit sieben, acht Jahren über eine Sortimentsverkleinerung», sagt ein ranghoher Migros-Vertreter dem „Sonntag“. In grösseren Geschäften habe man heute zum Teil rund 17 Marken Mineralwasser in 35 Formaten. Auch die Kosmetik-Regale gälten als übersättigt. «So viele verschiedene Produkte braucht es einfach nicht.» Migros-Sprecher Urs-Peter Naef bestätigt die Pläne gegenüber dem „Sonntag“: «Wir wollen das Sortiment verschlanken und massschneidern.» Umfragen hätten gezeigt, dass die Kunden oft zu lange nach dem gewünschten Artikel suchen müssten. Bis Mitte Jahr werde das Pilotprojekt abgeschlossen.
Bankdokumente zeigen: Auch Raiffeisen betreut US-Kunden – jetzt trennt sie sich von ihnen
St. Gallen. Die US-Justiz hat elf Schweizer Banken ins Visier genommen. Die Raiffeisen ist nicht darunter. Doch auch dort gibt es – entgegen bisherigen Annahmen – US-Kunden, wie die Zeitung „Der Sonntag“ schreibt. Raiffeisen betreut insgesamt 218 Kunden, die in den USA leben und nach amerikanischem Recht dort auch Steuern bezahlen müssen. Total verwaltet Raiffeisen Vermögenswerte amerikanischen Ursprungs im Umfang von 58 Millionen Dollar. Das geht aus einem Dokument hervor, das detailliert die Kundenstruktur der Genossenschaftsbank darlegt und dem „Sonntag“ vorliegt. Demnach haben 30 Kunden Anlagevermögen von über 500 000 US-Dollar, bei 26 US-Kunden liegt die Anlagespanne bei 250 000 und 500 000 US-Dollar. Die verbleibenden liegen darunter. Der vermögendste US-Kunde verfügt über Depotwerte von 5,8 Millionen Franken.
«Vereinzelt haben US-Kunden den Kontakt zu Raiffeisen gesucht», bestätigt Firmensprecher Franz Würth. Raiffeisen habe sich «nie aktiv» um US-Kunden bemüht. Die Genossenschaftsbank hat den Schweizer Behörden die Existenz amerikanischer Kunden nicht mitgeteilt. Würth kündigt aber an, dass sich die Bank «von diesen US-Kunden trennen wird», wie er dem „Sonntag“ sagt.
Doppelbesteuerungsabkommen mit USA: CVP will SP unterstützen
Bern. Auch das Parlament beschäftigt sich mit dem Steuerstreit: Am 29. Februar berät der Nationalrat das neue Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit den USA, mit dem künftig auch Gruppenanfragen bei Steuerhinterziehung möglich sein sollen. Der Bundesrat hofft, dass der Nationalrat das Abkommen gutheisst. Sonst drohten die Verhandlungen mit den USA über eine Lösung im Steuerstreit zu scheitern. Die SVP lehnt das neue DBA grundsätzlich ab, die SP knüpft ihre Zustimmung an Bedingungen: Sie will eine Weissgeldstrategie. Und diesmal könnte die SP durchkommen: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf jedenfalls will den bundesrätlichen Bericht zur Weissgeldstrategie noch vor der Nationalrats-Debatte vorlegen, wie Recherchen der Zeitung „Der Sonntag“ zeigen. Unterstützung erhält die SP von der CVP. «Wir wollen nun endlich wissen, was uns konkret mit der Weissgeldstrategie des Bundesrats erwartet», sagt Parteichef Christophe Darbellay zum „Sonntag“. Die Banken hätten offenbar aus der UBS-Krise nichts gelernt. An ihre Adresse sagt Darbellay: «Jetzt reichts, meine Herren. Jetzt muss die Politik sagen, wohin die Reise geht.» > Seiten 2 und 3
Steuerstreit mit USA: Erstmals äussert sich der CEO einer betroffenen Bank
BASEL. Bisher haben alle elf Banken, die im Visier der amerikanischen Steuerbehörden sind, geschwiegen. Nun hat sich der CEO der Basler Kantonalbank BKB, Hans Rudolf Matter, in der Zeitung „Der Sonntag“ erstmals zu den Gefahren einer Anklage geäussert. „Ein Worst Case im Sinne einer Anklage würde unser Geschäft zwar einschränken, die finanzielle Stabilität der Bank aber klar nicht infrage stellen“, sagt Matter. Zum Bedrohungsszenario, dass die BKB vom US-Dollar-Clearing ausgeschlossen würde, sagt Matter: „Selbstverständlich bereiten wir uns auf alle möglichen Szenarien vor. Sie können davon ausgehen, dass wir umsichtig planen.“ Bislang sei „keinerlei Auslieferung von Mitarbeiter-, Kunden- oder sonstigen Namen an die USA erfolgt“, sagt Matter im „Sonntag“. Sämtliche Daten, welche die Basler Kantonalbank im Rahmen der Kooperation an die US-Steuerbehörden gab, seien anonymisiert gewesen. Die BKB habe eine klare Weissgeldstrategie eingeschlagen: „Wir haben im letzten Jahr entschieden, dass wir unser Vermögensverwaltungsgeschäft auf versteuerte Gelder fokussieren und insbesondere bei ausländischen Kunden alles daransetzen, keine unversteuerten Gelder anzunehmen.“ Die BKB verfüge über Rückstellungen für allgemeine Bankrisiken von 1,8 Milliarden Franken und die Risiken aus dem Vermögensgeschäft mit US-Kunden seien ungleich kleiner. „Das US-Geschäft war für uns stets marginal“, sagt Matter. Er gibt aber Fehler zu: „Das Risiko-Ertragsprofil der US-Kunden haben wir rückblickend falsch eingeschätzt“. Seit einem Jahr fokussiere sich die BKB nun darauf, nur noch versteuerte Kundengelder zu akzeptieren.
US-Steuerstreit: Die Schweiz dekodiert die Namen von acht CS-Mitarbeitern
Bern. Die Behörden haben und werden in Zukunft noch Unmengen an Daten zum US-Geschäft der unmittelbar von einer Klage bedrohten elf Schweizer Banken in die USA liefern. Dabei sollen die Namen der Bankmitarbeiter jeweils codiert werden, das hat der Bundesrat am 18. Januar entschieden. Aber es gibt Ausnahmen: So hat die Finanzmarktaufsicht diese Woche «im Einverständnis mit dem BJ auf konkretes Ersuchen der US-Börsenaufsicht SEC und des DOJ entschieden, Decodierungen für einzelne Mitarbeiter einer Bank an die SEC zu übermitteln», wie Sprecher Tobias Lux gegenüber der Zeitung «Der Sonntag» sagt. Konkretere Angaben will er nicht machen. Recherchen der Zeitung «Sonntag» zeigen, dass es sich dabei um die Namen der acht CS-Banker handelt, die in den USA bereits angeklagt sind. Die CS wollte dazu keine Stellung nehmen.
Schweiz, ade: Ex-SNB-Chef Philipp Hildebrand will Professor in Harvard oder Oxford werden
Klosters. Philipp Hildebrand will offenbar auswandern – zumindest vorübergehend. Der Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand strebt eine einjährige Gastprofessur an der Universität Harvard oder Oxford an, wie die Zeitung „Der Sonntag“ schreibt. Seine Pläne erzählte Hildebrand vergangene Woche Reto Lipp, Journalist des Schweizer Fernsehens. Zufällig trafen Lipp und ein Redaktionskollege Hildebrand in einem Davoser Restaurant abseits des WEF-Geländes. Dabei äusserte sich der Ex-Notenbanker entsprechend zu seinen Zukunftsplänen. Ob er mit einer der beiden renommierten Universitäten bereits in Verhandlungen steht, sagte er jedoch nicht. Hildebrand besuchte die beiden Elite-Universitäten vor knapp zwanzig Jahren. 1993 hat er einen Postgraduierten-Studiengang am Center for International Affairs der Harvard University absolviert. An der University of Oxford hat er 1994 in internationalen Beziehungen doktoriert. Hat der Doktor der Politologie also bereits einen Ruf an die amerikanische Universität Harvard oder die britische Universität Oxford erhalten? Sein Sprecher Jörg Denzler sagt dem „Sonntag“ dazu lediglich: «Philipp Hildebrand prüft derzeit verschiedene Optionen zu seiner beruflichen Zukunft.» Zu gegebenem Zeitpunkt werde man informieren.
Kriminelle Asylbewerber: Internierungslager im Tessin geplant
Chiasso. Im Kanton Tessin soll ein Internierungslager für renitente Asylberwerber entstehen. Das schreibt die Zeitung „Der Sonntag“ gestützt auf Angaben der Tessiner Kantonsregierung. «Mario Gattiker, der Chef des Bundesamts für Migration (BFM), gab am Donnerstag seine Zustimmung zum Pilotprojekt», sagt der Tessiner Staatsrat Norman Gobbi gegenüber „Der Sonntag“. Eine Aussage, welche das BFM bestätigt. Die Tessiner Regierung will eine Art Internierungslager für Asylbewerber erstellen, die kriminell geworden sind. Dafür sollen ausserhalb Chiassos Container aufgebaut werden. «Es geht dabei um erhöhte Freiheitsbeschränkung“, sagt BFM-Chef Mario Gattiker. Das bedeutet: Asylbewerber, die in diesem Spezialzentrum untergebracht werden, sollen nicht mehr die volle Bewegungsfreiheiten haben. Gattiker: «Wer sich nicht an die Eingrenzung hält, begeht ein strafrechtliches Delikt: Er kann bis zu 12 Monaten in Haft sitzen.» Der Kanton Tessin und das Bundesamt für Migration berufen sich dabei auf Artikel 74 und 75 des neuen Ausländergesetzes. Gobbi seinerseits macht keinen Hehl daraus, dass er durchgreifen will. „Als Vorsteher des kantonalen Justiz-, Polizei und Militärdepartements möchte ich in diesem Spezialzentrum nicht dieselben Regeln haben wie in einem Empfangs- und Verfahrenszentrum», sagt der Lega-Vertreter. «Ausgrenzung und Eingrenzung muss den Asylbewerbern gegenüber als starkes Signal dienen.» Er wolle nicht, «dass falsches oder unkorrektes Benehmen» von Asylbewerbern «keine Folgen» habe.
Bischof Felix Gmür: „Ausländerfeindliche Stimmung in der Schweiz“
Solothurn. Der 45-jährige Bischof von Basel Felix Gmür kritisiert, dass hierzulande eine ausländerfeindliche Stimmung herrsche. Gmür sagt im Interview mit der Zeitung „Der Sonntag“: „Wer hierherkommt, der gilt im Voraus als Wirtschaftsflüchtling, im besten Fall. Meistens noch als Krimineller. Aber es geht um Menschen.“ Weiter sagt er. „Lesen Sie einmal in Blogs oder Onlinekommentaren auf Newsportalen. Da bekommen Sie den Eindruck, dass weite Teile der Bevölkerung glauben: Da drängen lauter Verbrecher aus Afrika in die Schweiz.“ Auf die Frage, ob die Asylpolitik des Bundes zu hart sei, antwortet Gmür: „Ich meine, unsere Asylpolitik sollte sich im Rahmen der europäischen Asylpolitik bewegen. Die Standards sollten die gleichen sein auf unserem Kontinent. Ich finde es falsch, wenn wir als wohlhabendes Land mit einer humanitären Tradition die Härtesten sein wollen.“
Eine „Bahn 2000 plus“ für die SBB: Zürich-Bern im Viertelstunden-Takt
Baden. Ab Zürich in 45 Minuten nach Basel und im Viertelstundentakt in 42 Minuten nach Bern. Das will das Konzept «Bahn 2000 plus» ermöglichen – bei geringeren Investitionskosten als entsprechende SBB-Projekte. Dies berichtet die Zeitung „Der Sonntag“ gestützt auf das Papier, das gestern Samstag den SBB und dem Bundesamt für Verkehr unterbreitet worden ist. Ein hochkarätiges elfköpfiges Komitee will zwischen Roggwil und Zürich-Altstetten für mehrere Milliarden eine neue SBB-Schnellstrecke bauen. «Das durchdachte Konzept ermöglicht innert nützlicher Frist eine finanzierbare Lösung des Engpasses zwischen Roggwil und Zürich», sagt Heinz Tännler, Zuger SVP-Regierungsrat und Komiteemitglied gegenüber „Der Sonntag. Unterstützt wird das Komitee auch vom Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich VBZ, Guido Schoch.
Frank Urbaniok: Zürcher Star-Psychiater hat Briefkastenfirma im Steuerparadies
ZÜRICH. Der Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) im Kanton Zürich, Frank Urbaniok, betreibt eine Briefkastenfirma. Dies berichtet die Zeitung „Der Sonntag“. Die Firma Profecta hat ihr Domizil im steuergünstigen Wilen bei Wollerau, einem Ortsteil von Freienbach im Kanton Schwyz. Einziges Produkt der Profecta ist das standardisierte Computerprogramm Fotres, mit dem die Gefährlichkeit von Verbrechern berechnet wird. Als Postadresse der Profecta fingiert die „Thalmann Kommunikation“. Dabei handelt es sich um die Privatadresse der Schwyzer FDP-Kantonsrätin Irene Thalmann. „Mit der Firma habe ich nichts zu tun. Die Geschäftspost sehe ich auch nicht, die kommt zu einem Postfach in Freienbach“, sagt Thalmann der Zeitung. Zum Firmensitz kam die Politikerin eher zufällig: „Eine Bekannte von mir, die in einer Bank arbeitet, fragte mich an, ob ich meine Adresse zur Verfügung stellen würde.“ Als Grund gibt Thalmann an, dass Urbaniok aus Sicherheitsgründen seine Adresse geheim halten müsse. Die Briefkastenfirma Profecta hat seit ihrer Gründung 2005 im Durchschnitt 35 000 Franken jährlich als Gewinn erwirtschaftet. Dies gibt das Amt für Justizvollzug erstmals gegenüber dem „Sonntag“ bekannt. Es ist nicht der einzige Zustupf für Urbaniok, der als Chefbeamter ein Jahresgehalt von geschätzten 200 000 Franken hat. Neben der Profecta betreibt Urbaniok eine eigene Praxis für forensisch-psychatrische Beratungen. „Im Jahr 2011 betrug der Brutto-Gesamtumsatz aller im Rahmen der Praxistätigkeit erbrachten Leistungen 227 000 Franken“, sagt Rebecca de Silva vom Amt für Justizvollzug der Zürcher Justizdirektion. Der Gewinn abzüglich sämtlicher Ausgaben wie Mitarbeiterlöhne und Infrastrukturkosten betrug im Jahr 2010 immer noch 64 000 Franken. Das sind total zusätzlich rund 100 000 Franken aus Nebeneinkünften für den Chefbeamten. Jetzt gibt es massive Kritik an diesem Geschäftsmodell. „In Basel wäre eine solche Nebentätigkeit nicht möglich“, sagt Volker Dittmann, bis vor einem halben Jahr Chefarzt an der Forensischen Psychiatrischen Klinik der Universität Basel. Eine eigene Firma zu führen hält Ordinarius Dittmann in Basel bei einer Festanstellung gar für „unmöglich“. Mario Gmür, Psychiater und Gutachter in Zürich, sagt: „Seine berufliche Identität ist von ökonomischen Interessen mitbeeinflusst.“ Die Geschäftsprüfungskommission des Zürcher Parlaments müsse diesem Geflecht als politische Oberaufsicht nachgehen. Der frühere Basler Gerichtspräsident Peter Zihlmann drückt es drastisch aus: „Urbaniok hat ein eigentliches Machtimperium aufgebaut. Der kommerzielle Aspekt kommt einer Verfilzung gleich. Er verliert dadurch aus meiner Sicht an Glaubwürdigkeit.“
Wieder neuer Gutachter im Fall von Doppelmörderin Caroline H. eingesetzt
HINDELBANK. Auf Weisung des Zürcher Kassationsgerichts sollte ein Gutachter die Frage klären, wie es um die Rückfallgefahr der heute 39-jährigen Doppelmörderin Caroline H. steht. Das Vorhaben ist jedoch gescheitert, wie die Zeitung „Der Sonntag“ unter Berufung auf den Rechtsvertreter der Frau schreibt. Hintergrund ist, ob anstelle einer Verwahrung eine stationäre Massnahme mit gelockerten Haftbedingungen die Rückfallgefahr verringern könnte. Das Zürcher Kassationsgericht hatte schon im Herbst 2010 in einer Antwort auf eine gutgeheissene Nichtigkeitsbeschwerde von Caroline H. die fehlende Klarheit des Gutachters kritisiert. Doch auch die angeordnete, erneute Ergänzung des Gutachtens scheiterte an klaren Aussagen, wie jetzt bekannt wird. So musste ein weiterer Gutachter bestimmt werden, wie der Anwalt der Inhaftierten bestätigt. Caroline H. hatte 1991 hatte im Zürcher Parkhaus Urania eine 26-jährige Aargauerin niedergestochen. Beim Zürcher Chinagarten war 1997 eine 61-jährige Fussgängerin ihr Opfer. Das Zürcher Obergericht verurteilte die Innerschweizerin im Dezember 2001 zu einer lebenslangen Strafe mit Verwahrung. Ihr Rechtsvertreter bezeichnet die Sicherheitsbestimmungen «an der Grenze zur Menschenwürde und teilweise darüber hinaus». Selbst der Gutachter, der keine Antworten auf die Rückfallgefahr fand, zeigte sich sehr besorgt über die Art und Weise des Haftregimes. Das neuerliche Gutachten zur Rückfallgefahr ist in den nächsten sechs Monaten zu erwarten.
Anklage gegen deutschen Bauriesen wegen Lohndumping beim Bau des Roche-Turms
BASEL. Der zweitgrösste Baukonzern Deutschland wird in der Schweiz wegen Lohndumpings angeklagt, wie die Zeitung „Der Sonntag“ berichtet. Die paritätische Berufskommission für das Bauhauptgewerbe der Region Basel (Regio PBK) hat Mitte Januar entschieden, den Bauriesen Bilfinger Berger voraussichtlich im März vor das Zivilgericht Basel zu ziehen. Sie wirft ihm vor, beim Bau des neuen Roche-Turms in Basel die Mindestlöhne unterschritten zu haben. 15 ausländische Bauarbeiter sollen zwischen Februar und Mai 2011 um insgesamt 47 093 Franken betrogen worden sein. «Wir werden Klage einreichen, um unsere Forderungen durchzusetzen», bestätigt Serge Gnos von der Regio PBK die Recherchen der Zeitung «Der Sonntag». Dies, weil sich Bilfinger Berger weigere, die Konventionalstrafe von 19 000 Franken und die Kontrollkosten zu bezahlen. Ausserdem hat die Regio PBK im Dezember beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt beantragt, dass die Bilfinger Berger Spezialtiefbau GmbH – eine von mehreren Tochtergesellschaften des Konzerns in der Schweiz – mit einer zweijährigen Dienstleistungssperre belegt wird. Diese würde für die ganze Schweiz gelten. «Das ist eine sehr hohe Strafe», sagt Serge Gnos, «aber angesichts der Höhe der Lohndifferenz halten wir sie für gerechtfertigt». Laut Antonina Stoll, Leiterin Bereich Arbeitsbedingungen im Amt für Wirtschaft und Arbeit, wird das Amt voraussichtlich im Frühling über die Dienstleistungssperre entscheiden.
Novartis zahlt 99 Millionen Dollar für Überstunden – Ermittlungen wegen Betrugs in den USA
BASEL. Fast sechs Jahre lang hat Novartis in den USA wegen einer Überstunden-Sammelklage von Mitarbeitenden prozessiert. Jetzt hat der Basler Pharmakonzern eingelenkt: In einer Vereinbarung, die ein Bundesrichter vorläufig annahm, wurde letzte Woche festgelegt, dass Novartis 99 Millionen Dollar an Novartis-Vertreter im Aussendienst zahlt. Das berichtet die Zeitung «Der Sonntag». Von der Vereinbarung profitieren 7700 ehemalige und derzeitige Vertreter. Allerdings muss ein Gericht die Regelung noch definitiv absegnen, was beide Seiten in einigen Monaten erwarten. Ungemach droht Novartis in einem weiteren Rechtsfall. Sie muss sich in den USA einer zivil- und strafrechtlichen Untersuchung wegen mutmasslichen Betrugs stellen. Im vierten Quartal 2011 verlangte die Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks von New York Einblick in die Geschäfte von Novartis. Der Konzern musste Dokumente über Marketingpraktiken für drei Blutdruck- und Diabetesmedikamente vorlegen, wie er letzte Woche im Geschäftsbericht bekanntgab. Die Staatsanwaltschaft verlangte auch Rechenschaft über die Vergütungspraktiken von Novartis gegenüber Spitälern, Ärzten und Apotheken.
Der Wolf riss 2011 dreimal mehr Schafe – jetzt werden Hirte gesucht
Baden. 274 Schafe und Ziegen erlegte der Wolf im vergangenen Jahr. Das sind dreimal so viele wie 2010, wie die Zeitung „Der Sonntag“ schreibt. Der Wolf wird sich künftig viel schneller in der Schweiz ausbreiten als in den vergangenen Jahren. Experten rechnen damit, dass es jährlich einen Zuwachs von bis zu 30 Prozent geben wird. Das Raubtier ist in ganz Europa auf dem Vormarsch. In Deutschland hat sich der Bestand im letzten Jahr auf über 100 Exemplare verdoppelt. Auch von der französischen und italienischen Grenze drängt das Tier in die Schweiz. «Bald wird es erste Rudel und auch Jungtiere geben», ist Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt überzeugt. Davor fürchten sich die Bauern, denn in der Gruppe trauen sich Wölfe auch Rinder anzugreifen. Gefragt sind deshalb Schweizer Hirten. Besonders an Schafshirten mangelt es derzeit. Neue werden dringend gesucht. Hilfe kommt noch aus dem Ausland. Die Hälfte der rund 80 in der Schweiz arbeitenden Schafshirten kommen aus Frankreich, Italien und dem Südtirol. Die landwirtschaftlichen Schulen in Graubünden und Wallis bieten nun aber eine entsprechende Ausbildung in der Schweiz an. Zusätzlich sucht der WWF freiwillige Hirt-Assistenten, um die Herden vor der steigenden Anzahl Wölfe in der Schweiz zu schützen.
Meldungen aus dem „Sonntag Basel“:
Alt Bankrätin Anita Fetz kritisiert Bankrat der Basler Kantonalbank
Basel. Ständerätin Anita Fetz (SP), die bis 2005 im Bankrat der Basler Kantonalbank (BKB) sass, kritisiert gegenüber der Zeitung „Der Sonntag“ die heutigen Mitglieder das Bankrats. Bezüglich der US-Steuerproblematik sei das Gremium zu lange untätig geblieben und habe zu wenig genau hingesehen. Nachdem die UBS im Jahr 2008 beschlossen hatte, keine US-Kunden mehr zu akzeptieren, hätte man auch bei der BKB stopp sagen sollen. „Wer da noch solche Gelder annahm, hat entweder ein Risiko- oder ein Intelligenzproblem“, sagt Fetz. Einem kritischen Bankrat wäre es „gut angestanden, schon 2008 zu fragen: Was ist mit unseren Kunden?“.
Philippe Bischof sieht das Stadttheater in einer Sinnkrise
Basel. Philippe Bischof, seit einem Jahr Leiter der Abteilung Kultur Basel-Stadt, lobt die freie Theaterszene. Sie hätten das Schauspiel im Stadttheater in eine «Notlage» gebracht. Durch ihre Art, an neue Stoffe heranzugehen, habe die freie Szene mehr Legitimation und Aktualität als das Schauspiel in den Stadttheatern. Diese versuchten häufig durch Aktualisierung von Klassikern originell mit dem alten Repertoire umzugehen. Im Interview mit der Zeitung „Der Sonntag“ fordert Bischof die Theaterschaffenden auf, sich zu fragen, was ein Stadttheater in der heutigen Zeit soll.
Basler Regierungsrat Gass setzte sich durch
Basel. Der Basler Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass (FDP) wird die diesjährige Kriminalstatistik des Kantons Basel-Stadt der Öffentlichkeit präsentieren. Dies sagt Gass gegenüber der Zeitung „Der Sonntag“. Der Sicherheitsdirektor hat damit einen monatelangen Machtkampf mit dem Ersten Staatsanwalt Alberto Fabbri für sich entschieden. In den vergangenen Jahren präsentierten stets Exponenten der Basler Staatsanwaltschaft die Kriminalstatistik der Öffentlichkeit, und Fabbri wollte dies auch in Zukunft so belassen.
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