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PR-Firma zahlt Journalisten: Im Couvert steckten 500 Franken
Von Hanspeter Bürgin
Samstag, 01. September 2012 23:10
Medienschaffende wurden an einer Tourismus-Veranstaltung für ihre Anwesenheit honoriert.

Eines muss man Fiorenzo Fässler von der Zürcher Tourismusmarketing-Firma smarket AG lassen: Er steht zu seinem Anlass, gibt transparent Auskunft und versteckt sich nicht. Vorletzte Woche führte er zehn «attraktive Top-Journalisten» im Zürcher Zunfthaus zur Schmiden mit Kunden zusammen. Die meisten Medienschaffenden honorierte er für ihr Kommen mit einer «Kostenpauschale» von 500 Franken, die anwesenden Unternehmen aus der Tourismusbranche bezahlten für den Direktkontakt mit den Journalisten 3000 Franken. «Das war keine Pressekonferenz», sagt Fässler, sondern ein Informationsaustausch, «ja sogar eine Weiterbildung».

Artur K. Vogel, Chefredaktor des «Bund» und verantwortlich für den gemeinsamen Reiseteil mit dem «Tages-Anzeiger», zog bereits im Vorfeld die Notbremse und verwahrte sich gegen die von Fässler angebotene Entschädigung. «Aus meiner Sicht wäre es jedoch gerechter», schrieb Fässler in einem E-Mail, «Ihnen den gleichen Betrag wie den Kollegen zu geben.»

«Ich werde für meine Arbeit entlöhnt», schrieb Vogel zurück, und da die Veranstaltung ja während der Arbeitszeit stattfände, wäre «eine zusätzliche Bezahlung nicht angebracht». Auch die Vergütung des Zugtickets akzeptiere er nicht, da er diese Kosten «über unsere Firmenspesen abrechnen» werde. Vogel sagt auf Anfrage: «Die Annahme einer solcher Geldzahlung verstiesse gegen meine journalistischen Prinzipien; zudem würde sie unsere Glaubwürdigkeit untergraben.»

Ohne den konkreten Fall zu kennen, sind Chefredaktoren und PR-Leute übereinstimmend der Ansicht: Festangestellte Journalisten dürfen sich zusätzlich zu ihrem Lohn nicht bezahlen lassen (die 500 Franken steckten in einem Couvert in den Presseunterlagen). «Das ist ein absolutes ‹No-Go›», heisst es. «Von solchen Praktiken habe ich noch nie gehört», sagt etwa der frühere Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», Peter Hartmeier.

PR-Mann Fässler verteidigt sein Geschäftsmodell: «Ich verstosse gegen keine Gesetze und Richtlinien.» Er bestätigt ohne Umschweife, Journalisten von Tamedia, NZZ und az entschädigt zu haben. Ob diese die 500 Franken behalten, in eine Redaktionskasse einbringen oder an eine gemeinnützige Organisation spenden, sei nicht seine Sache.

Mit seiner Vorwärtsstrategie nimmt er die Medien allerdings in eine Art Geiselhaft. Der «Bund»-Chefredaktor war nämlich nicht der Einzige, der sich der Vereinnahmung verweigerte. Glaubhaft versichert ein Journalist aus dem Hause NZZ: «Ich wollte kein Geld und habe auch keines erhalten.»

Aus dem Schneider sind wohl freie Journalisten oder Teilzeitangestellte. Die 500 Franken entsprechen einem Tageshonorar, das beispielsweise Tamedia seinen Freelancern zahlt. Ein az-Journalist und der Teilzeit-Redaktor der «Annabelle» besuchten Fesslers Veranstaltung an ihrem freien Arbeitstag.

Christoph Ammann, ein ausgewiesener Reisejournalist von der «SonntagsZeitung», begründet seine Teilnahme mit der Qualität des Anlasses: «In kurzer Zeit so viele Touristiker zu treffen, ist interessant und effizient.» Nach vorheriger Absprache mit der Chefredaktion hat er die Annahme der 500 Franken nicht verweigert.

Der Betrag kommt aber dem Reise-Ressort zugute. Amman wird damit einen Apéro ausrichten und das Weihnachtsessen des Ressorts finanzieren. Er räumt aber ein: «Solche Bargeldzahlungen sind sicher fragwürdig.»

Walter Hagenbüchle von der NZZ spricht von «einem heiklen Grenzfall». Und auch er hat das Geld in die Ressortkasse eingespeist.

Auf der PR-Seite ist die Skepsis gegenüber diesem Geschäftsmodell gross. «Absolut inakzeptabel», sagt ein früherer Journalist, der heute selber PR-Mandate betreut. Direkte Konkurrenten wollen sich namentlich nicht äussern, sagen aber übereinstimmend: «Das Bezahlen von Journalisten kommt nicht infrage.» Für Roman Geiser als Präsident der Schweizer PR-Agenturen und künftiger Chef von Farner steht fest: «Dies widerspricht allen Codices und ist nicht branchenüblich.»

Gerüchte über diese Form der Honorierung von Medienschaffenden zirkulierten schon länger. Fässler bestätigt, dass er diese Veranstaltung bereits zum dritten Mal durchgeführt hat. Gegenüber seinen Kunden sei es «absolut zentral», dass sie die versprochenen «Top-Journalisten» auch wirklich antreffen. Deshalb entschädige er diese mit einer «Kostenpauschale», um so einen «attraktiven Anlass» bieten zu können. Ein wirkliches Problem kann er nicht erkennen. «Wir sind einfach anderer Meinung», erklärt er dem kritisch nachfragenden Journalisten.

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