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Die Prognosen waren wenig wert
Von Michael Heim
Samstag, 29. Dezember 2012 23:10
Um rund 16 Prozent hat der Börsenindex SMI im vergangenen Jahr zugelegt. Damit hatte keiner gerechnet.

Für Aktienbesitzer war das vergangene Jahr überaus erfreulich. Der Swiss Market Index (SMI) der grossen Schweizer Unternehmen lag am Freitag im Jahresvergleich knapp 16 Prozent im Plus. Letztmals konnte man 2009 mit Aktien mehr Geld verdienen. 2010 (–2 Prozent) und 2011 (–11 Prozent) waren hingegen magere Jahre.

Kaum einer hat die Erholung vor einem Jahr vorausgesagt, wie ein Blick auf die Prognosen der Bankexperten zeigt. Sie rechneten im Schnitt gerade mal mit Gewinnen zwischen 4 und 5 Prozent. Einer der grössten Pessimisten war Jean-Claude Mariéthod von Valiant in Bern. In einem Bericht der Zeitung «Der Bund» sagte er einen SMI-Schlussstand von 6000 Punkten voraus, was ein Plus von gerade mal 1,5 Prozent bedeutet hätte. Verglichen mit der Realität (6822) lag Mariéthod somit 91 Prozent zu tief.

Auch andere namhafte Analysten trauten dem Schweizer Markt nicht viel mehr zu. Fast schon einheitlich landeten sie nach dem grossen Kaffeesatzlesen bei 6200 Punkten. Vom Ergebnis am Freitagabend war auch das noch weit entfernt.

Zunächst schien es, als ob die Prognostiker Recht bekommen würden. Zwar startete die Börse im Frühling recht gut und legte – immer wieder mit heftigen Ausschlägen in beide Richtungen – auf gegen 6350 Punkte zu. Doch dann mehrte sich die Angst um die Finanzlage der europäischen Staaten, und diese liess die anfänglichen Gewinne wieder schwinden. Ende Mai lag der SMI knapp über 5700 Punkten und damit weit unter seinem Startpunkt.

Doch dann wendete sich die Stimmung. Nachdem Spanien von der EU bedingungslose Hilfe zugesagt wurde, legten die Aktienkurse deutlich zu. Bis zum Jahresende gab es keine längeren Durststrecken mehr. Dieses Bild zeigte sich auch beim deutschen Aktienindex DAX (Jahresgewinn 30 Prozent) oder beim französischen CAC 40 (+ 16 Prozent).

Doch an den Einschätzungen der Ökonomen änderte sich wenig. Noch Ende September, als der SMI bereits die Marke von 6500 hinter sich gelassen hatte, zeigte sich in einem Bericht des «Tages-Anzeigers» noch immer wenig Euphorie. Philipp Bärtschi von der Bank Sarasin sagte weiterhin 6200 Punkte voraus, Bernd Hartmann von der VP Bank prognostizierte 6350 Punkte. Einzig der Analyst der ZKB, Martin Hüsler, traute dem Markt etwas mehr zu und tippte einen Schlussstand von 6700 Punkten.

Auch namhafte Börsengurus waren mit ihren Vorhersagen nicht immer erfolgreicher. Ende Dezember 2011 erwartete Marc Faber laut «Bilanz» an den Aktienmärkten eine «Seitwärtsbewegung». Ein Anstieg des amerikanischen Index Standard & Poor’s 500 über 1400 Punkte sei «vorerst nicht zu erwarten». Bereits Ende März hatte der Index diese Hürde jedoch bereits genommen und zuletzt lag er auch am Freitag leicht darüber.

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